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Verkehr und Verkehrssicherheit im Männedorf

Robert Lembke (1913-1989), der deutsche Fernsehmoderator, charakterisierte den „Fussgänger“ einmal treffend als „Autofahrer, der einen Parkplatz gefunden hat“. Die enorm starke Zunahme des Verkehrsaufkommens seit den Fünfzigerjahren hatte direkte Auswirkungen auf das Unfallgeschehen auf den Strassen mit erheblichen volkswirtschaftlichen Folgen. Die Gemeinde Männedorf trifft laufend Massnahmen zum Schutz der verletzlichsten Verkehrsteilnehmer, nämlich der Fussgänger.

von Alphons Fässler

Männedorfs Verkehrspolitik ist eng mit der Siedlungsentwicklung verbunden. Durch den Bau der S-Bahn in den Siebziger- und Achtzigerjahren und die Anbindung an das regionale Schienennetz entwickelte sich Männedorf zur Agglomerationsgemeinde des boomenden Wirtschaftsraumes Zürich. Zwischen 1995 und heute stieg die Zahl der Einwohner von 7'500 auf 10'500. Proportional zum Wachstum der Gemeinde wuchsen auch die Ansprüche an die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer.

Der Gemeinderat von Männedorf hat frühzeitig die Weichen für zukünftige Bedürfnisse gestellt. In den letzten Jahren richtete sich der Fokus auf die Sicherheit der Fussgänger, insbesondere auf Massnahmen zur Temporeduktion im Nahverkehr.

Tempo bestimmt das Mass der Verkehrssicherheit
Das Energiepotential eines sich bewegenden Fahrzeuges entwickelt sich exponentiell, nämlich im Quadrat zu seiner Geschwindigkeit. Wie die Grafik 1 zeigt, steigen Reaktions- und Bremsweg mit zunehmender Geschwindigkeit überproportional an. Bei einer Kollision steht das Mass der Schädigung an Mensch und Fahrzeug in direktem Zusammenhang mit der Fahrgeschwindigkeit. Die meisten tödlichen Unfälle ereignen sich im Nahverkehr bei Fahrgeschwindigkeiten von zwischen 40 und 60 km/h.

Bauliche Massnahmen begleiten die Verkehrsvorschriften
Von 10 Personen, die von einem Auto mit 50 km/h angefahren werden, überleben nur gerade 3 den Unfall (vgl. Grafik 2). Die Abhängigkeit von Fahrgeschwindigkeit und steigender Unfallgefahr prägen die geltenden Verkehrsvorschriften. Insbesondere in dicht besiedelten Räumen steigt deshalb die Notwendigkeit von baulichen Massnahmen. Tempo-30 oder Tempo-20 in Begegnungszonen haben den Zweck einer deutlichen Reduktion des Unfallrisikos.

Strassenraumgestaltung für mehr Verkehrssicherheit
Im Innerortsbereich unterscheidet man zwischen verkehrsorientierten Strassen und siedlungsorientierten Strassen. Für beide Kategorien gelten klare Funktionsziele. Diese sollen die Strassenraumgestaltung regeln und das Einhalten der vorgegebenen Geschwindigkeit sicherstellen. Auf siedlungsorientierten Strassen gilt generell Tempo 30 und in Begegnungszonen Tempo 20.

Verkehrsorientierte Strassen
Auf verkehrsorientierten Strassen ist für Autofahrer Tempo 50 die Regel. Hauptsammel- und Hauptverbindungsstrassen (z.B. Seestrasse, Bergstrasse, Aufdorf- / Allenbergstrasse, Tramstrasse) haben zwei wichtige Funktionen: Sie sollen dem rollenden Verkehr eine effiziente Durchfahrt ermöglichen und dem Langsamverkehr (Fussgänger, Radfahrer usw.) eine grosse Sicherheit und Aufenthaltsqualität bieten.

Fussgängerschutzinseln auf Tempo-50 Strassen
Auf der verkehrsorientierten Tramstrasse hat die Gemeinde Männedorf auf eigene Kosten ein bergseitiges Trottoir sowie bei diversen Strassen 12 neue Fussgängerschutzinseln erstellt.

Das Profil der Seestrasse bei der Dorfhaab zeigt die neuen Querschnittsverhältnisse: Zulasten der beiseitigen Trottoirs wird ein überfahrbarer Mittelstreifen in einer Breite von 2 Metern erstellt. Bei der Promenade stehen den Fussgängern 2,5 Meter Breite und ein von Bäumen beschattetes Trottoir zur Verfügung.

Strassenverkehr als Spielball unterschiedlicher Interessen
Die Entwicklung des Strassenverkehrs ist ein Spiegelbild unserer politischen Kultur. Die Gurtentragepflicht sowie Tempo-50 innerorts wurden anfangs von verschiedenen politischen Parteien und Interessengruppen bekämpft. Die Autopartei („Freie Fahrt für freie Bürger“) schaffte es vorübergehend in Kantonsparlamente und -regierungen und ins Bundesparlament. Der Verkehrsclub der Schweiz VCS nimmt mit Berufung auf das Verbandsbeschwerderecht starken Einfluss auf die Planung, Umweltverträglichkeit und Ökologie von öffentlichen Projekten. Die kontroversen Standpunkte der verschiedenen Organisationen führten zu Polarisierungen und damit zu einer unerwünschten Rechtsmitteldemokratie, in welcher der gesunde Kompromiss verloren ging.

Mobilität – Fundament unserer modernen Gesellschaft
Verkehrsstaus, Luftverschmutzung, Klimaerwärmung und übermässige Ozonbildung sind Zeichen einer mangelnden politischen Kompromissbereitschaft. Erst die zunehmende Beeinträchtigung der Gesundheit der Menschen hat die Fronten aufgeweicht. Lösungsorientiertes Handeln steht vor politischen Machtkämpfen. Heute will niemand mehr auf die Mobilität als wesentliches Element unseres Wohlstandes verzichten.

Seit 1960 ungebrochenes Wachstum des Fahrzeugbestandes
Das schweizerische Strassennetz entstand zu einem wichtigen Teil in den Jahren zwischen 1960 und 1990. Seine Ausgestaltung erfolgte aufgrund der technischen Anforderungen, die durch das Automobil definiert wurden. Der 1913 gegründete Verein Schweizerischer Strassenfachmänner VSS hat dazu ein umfassendes Normenwerk geschaffen, das auch heute europaweit Beachtung findet. Der Fahrzeugbestand in der Schweiz wuchs von zirka 850 Tausend im Jahr 1960 auf ca. 3,8 Millionen im Jahr 1990 und erreichte im 2011 mit zirka 5,5 Millionen seinen Höhepunkt. Davon waren zirka 4,2 Millionen Personenwagen und ca. 665'000 Motorräder.

Umfangreiche Sanierungen
Die Gemeinde Männedorf investiert laufend in die Verkehrssicherheit. In den letzten Jahren hat der Kanton in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde die Bergstrasse mit see- und bergseitigen Trottoirverlängerungen ausgebaut, den Kreisel im Aufdorf erstellt und den Einbieger der Bergstrasse in die Seestrasse saniert. Aktuell laufen Sanierungen und Ausbauarbeiten an der Seestrasse mit einem täglichen Aufkommen von zirka 25'000 Fahrzeugen. 2011 hat der Kanton das Teilstück Sonnenfeld bis Rohrgasse komplett saniert und erneuert. Geplant ist im laufenden Jahr eine Erneuerung und der Ausbau des Abschnittes Bergstrasse bis Kugelgasse. Im Bereich Kugelgasse bis Dorfgasse wird analog dem Beispiel von Köniz (vgl. Bild) ein zwei Meter breiter Mittelstreifen angebracht, der die Verbindung Dorf bis Dorfhaab für die Fussgänger entscheidend verbessert. Das Tempo 50-Regime wird beibehalten.

Siedlungsorientierte Strassen in Männedorf
Siedlungsorientierte Strassen im Tempo 30 Bereich dienen den Nutzungsansprüchen der Anwohner. Strassen in Wohnquartieren, Kernzonen und Dorfkernen haben Erschliessungs- und Aufenthaltsfunktion und sind mit geeigneten Massnahmen vom Durchgangsverkehr freizuhalten. In Langsamverkehrszonen müssen bauliche Massnahmen die Vorgaben Tempo-30 und Tempo-20 gewährleisten.

Erfolgskontrollen unabdingbar
Bei Tempo-30- und Begegnungszonen mit gestalterischen und baulichen Massnahmen werden Erfolgskontrollen durchgeführt. Die Verkehrsabteilung der Kantonspolizei orientiert sich dabei an der V85 Regel, gemäss welcher 85% der erfassten Fahrzeuge die Geschwindigkeit auf dem bestimmten Strassenabschnitt einhalten oder unterschreiten müssen. Weicht das Resultat von den Vorgaben ab, werden ergänzende gestalterische und bauliche Massnahmen angebracht. Wie Erfolgskontrollen der Kantonspolizei belegen, haben sich in Männedorf die Fahrzeuglenker an die eingesetzten Torelemente, Einengungen, versetzte Parkplätze, Belagskissen und Vertikalversätze inzwischen gewöhnt und die Ziele der Temporeduktionen wurden an der meisten Stellen erreicht.

Einsichten und Ausblick
1929 zählte man landesweit bei 100‘000 Motorfahrzeugen 370 Verkehrstote. 1971 erreichte diese tragische Unfallstatistik mit 1‘773 Toten ihren Höhepunkt. Bund, Kantone und Gemeinden reagierten mit verschärften Verkehrskontrollen und leiteten verkehrsberuhigende Gegenmassnahmen ein. Im Jahr 1990, mit einem Fahrzeugbestand von 3,8 Millionen, lag die Zahl der Verkehrstoten noch bei 954 und 2010, mit 5,4 Millionen Fahrzeugen, sank sie auf 313. Das ist zwar noch immer zu viel, doch zeigt diese Entwicklung deutlich, dass sich die umfassenden Bemühungen lohnen.

Auch in Zukunft gilt das Bewusstsein der Bevölkerung für die Entwicklungen im Verkehrswesen zu schärfen. Gestützt auf die Empfehlungen der Fachverbände werden weitere Anstrengungen unternommen, um die Verkehrssicherheit zu steigern. Gefordert sind alle Beteiligten: Bund, Kantone, Gemeinden – und alle Verkehrsteilnehmende.


 

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