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Von der Entsorgung des "Kleinen Geschäfts"

Was immer in die Kanalisation gelangt, taucht an anderer Stelle wieder auf. Über 149 Kilometer erstreckt sich das weit verzweigte Netz von Rohren, Schächten und Kanälen im Erdreich von Männedorf. Pumpstationen und Regenüberläufe sorgen dafür, dass die Abwässer entweder dem See oder der Abwasserreinigungsanlage (ARA) zugeführt werden. Ein Einblick in die Unterwelt unserer Gemeinde.

von Alphons Fässler

Die eidgenössische Gewässerschutzverordnung verpflichtet die Gemeinden, einen Generellen Entwässerungsplan (GEP) zu erstellen, der einen sachgemässen Gewässerschutz und eine zweckmässige Siedlungsentwässerung gewährleistet. Oberstes Ziel ist der Schutz der Gewässer. Der GEP regelt die Behandlung von Abwässern und legt dazu die Massnahmen fest.

Rückblick
In den 40er Jahren wurden sämtliche häusliche, gewerbliche, industrielle Abwässer und das Regenwasser der Gemeinden über Schwemmkanalisationen ungereinigt den Bächen, Flüssen und Seen zugeführt. Aufgrund der rapide zunehmenden Gewässerverschmutzung wuchs in den 50er Jahren das Bewusstsein für einen umfassenden Gewässerschutz. Für die Umsetzung des ersten nationalen Gewässerschutzgesetzes aus dem Jahr 1957, das den Bau von öffentlichen Kanalisationen und Kläranlagen vorsah, mangelte es an Bundesgeldern. Die Gemeinde Männedorf war mit der Inbetriebnahme der Abwasserreinigungsanlage ARA Weiern im Jahr 1958 eine Ausnahme. Ein wirksames Gewässerschutzgesetz, ausgestattet mit genügend finanziellen Mitteln, trat erst 1972 in Kraft.

Mischsystem und Spezialbauwerke
Mit Rücksicht auf die beschränkte Aufnahmefähigkeit von Abwasserreinigungsanlagen ARA mussten Kanalisationsnetze neu bemessen und mit Sonderbauwerken ausgestattet werden, um mögliche Überschwemmungen der ARA zu verhindern. Aus finanziellen Gründen war es naheliegend, die bestehende Schwemmkanalisation ins neu entstehende Leitungsnetz einzubinden. So wird bei Regenfällen der Trockenwetterabfluss (Schmutzwasser) mit dem Regenwasser, das nicht gereinigt werden müsste, in einem Mischsystem abgeführt. Die Abwassermengen betragen bei Regenfällen oft das 20- bis 30-fache des Trockenwetterabflusses. Um ein Überschwemmen der ARA zu verhindern, wird das Abwasser in Bäche, Seen und Regenüberlaufbecken geleitet, wo es mechanisch gereinigt wird. Eine mechanische Reinigung im Überlaufbecken ist wichtig, da ansonsten die Feststoffe in den Leitungen liegen bleiben. Die Feststoffe würden in diesem Fall beim ersten Regenwasser in die Regenüberlaufbecken gespült, dort zurückgehalten, und nach Abklingen des Hochwassers wieder ins Leitungsnetz gepumpt.

Spezialbauwerk Regenüberlauf- / Regenrückhaltebecken
Die Entlastung der ARA bei Regenfällen erfolgt über Regenüberläufe mit Rückhaltebecken. Beim Überlaufen des verdünnten Schmutzwassers in Bäche und Seen findet eine mechanische Reinigung statt. Die Feststoffe bleiben dabei im Becken zurück und werden nach Abklingen des Regenfalls ins Leitungsnetz geleitet und der ARA zugeführt.

Regenrückhaltebecken
Ein Kanalisationsnetz braucht ein Gefälle. Bei knappen Gefällsverhältnissen können auch überdimensionierte Rohrleitungen, sogenannte Fangkanäle, die Funktion von Regenrückhaltebecken übernehmen. Männedorf betreibt an der Rohrgasse und Langackerstrasse zwei Fangkanäle, daneben sechs mit und drei ohne Regenüberläufe. Zwei Regenüberlaufbecken an der Leuehaab und an der Schützenhaab sind mittels Pumpstationen miteinander verbunden.

Trennsystem
Im Jahr 1984 reagierte der Bundesrat auf die Volksinitiative „Zur Rettung unserer Gewässer“ mit einem Gegenvorschlag. Der Vorschlag wurde an der Abstimmung vom 17. Mai 1992 vom Stimmvolk angenommen und noch im gleichen Jahr als umfassendes Gewässerschutzgesetz in Kraft gesetzt. Neu ist die Bestimmung, dass Abwasser getrennt behandelt werden muss: Das Saubere (Regenwasser, Sickerwasser etc.) soll direkt den Bächen und Seen, das Verschmutzte (häusliches, gewerbliches und industrielles Abwasser) der Abwasserreinigung zugeführt werden. Die Zuführung von konzentrierterem Schmutzwasser zur ARA erhöht die Effizienz und Wirtschaftlichkeit des Reinigungsvorgangs. In Männedorf werden Baugrundstücke, die an See oder Bächen angrenzen, seit Jahrzehnten im Trennsystem entwässert. Seit 1990 sind auch die Baugebiete Feldhofstrasse, Hofen und die Quartierpläne untere und obere Büelen, Rosenweg-Russer, Bahnrain, Schneeberg und Gruben-Allenberg hinzugekommen.

Topographie
Das Leitungsnetz der Kanalisation von Männedorf verzeichnet dank der Südhanglage mehrheitlich einen genügenden Neigungswinkel. Entlang der Seestrasse, wo die Gefällsverhältnisse im einstelligen Promillebereich liegen, war die Anordnung von drei Pumpwerken erforderlich, um das Schmutzwasser aus den tiefer liegenden Einzugsgebieten in das höherliegende Leitungsnetz zu pumpen. Anders beim Pumpwerk Saurenbach, wo das Abwasser vom Sonnenfeld über ein Pumpwerk in ein um 3,8 Meter höher gelegenes Becken befördert werden muss, um von dort über einen Freispiegelkanal zum Pumpwerk Leuehaab zu gelangen.

Ausblick
Das grösste Problem der Abwasserentsorgung liegt in der medizinischen Versorgung. Neben den üblichen Abfällen gelangen auch Hormone aus der Antibaby-Pille sowie Röntgenkontrastmittel, Blutfettsenker, Schmerzmittel, Antirheumatika über den menschlichen Körper ins Abwasser. In der Reinigung und Entsorgung von medizinisch belastetem Abwasser liegt in der Abwasserentsorgung denn auch die grösste Herausforderung.


 

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